Bagdad: Nur ein Schuhwurf entfernt

14. Dezember 2014

"Woher kommen denn die ganzen Schuhe, die auf der Straße rumliegen? Wer verliert denn bitte seine Schuhe?", werden Sie sich vielleicht fragen.

Ich kann Ihnen versichern: Nicht alle Schuhe, die so rumliegen, gehen verloren. Manche werden auch bewusst geworfen. Und wenn man dabei den "Richtigen" trifft, wird man sogar weltberühmt! So wie Muntazer al-Zaidi, ein irakischer Journalist, der es auf einer Pressekonferenz am 14. Dezember 2008 auf keinen geringeren als George W. Bush abgesehen hat. Mit den Worten: "Das ist ein Abschiedskuss, du Hund. Dies ist von den Witwen, Waisen und allen, die im Irak getötet worden sind" feuerte er seine beiden Schuhe auf den Amerikanischen Präsidenten. Wegen dieser Untat kam er zwar ins Gefängnis, aber für viele Iraker, welche die Amerikanische Besatzung ihres Landes satt hatten, ist er ein Vorbild geworden. In Tikrit bekam er sogar ein Denkmal in Form eines über 2 Meter großen kupfernen Schuhs, das allerdings auf Anweisung der Provinzregierung wieder entfernt wurde.

Der Schuhwurf und sein Siegeszug um die Welt

Nicht umsonst ist ausgerechnet der Schuh in der islamischen Welt zum Symbol für Protest geworden. Man muss wissen, dass im Islam ein Schuh nicht einfach ein Gegenstand ist wie eine Gabel oder eine Puppe. Schuhe gelten als unrein, weshalb sie beim Betreten einer Moschee ausgezogen werden müssen. Einen Schuh zu werfen, ist mit die schlimmste Form der Verachtung.

Aber auch andernorts hat der Schuhwerfer von Bagdad Nachahmer gefunden. In Camebrige etwa bewarf ein deutscher Student den Chinesischen Premier Wen Jiabao mit seinen Turnschuhen. In Straßburg feuerten Französische Hochschullehrer Schuhe gegen die Hochschulministerin Valérie Pécresse, und auch in der Schweiz flogen bei Protesten gegen das Weltwirtschaftsforum im Dezember 2009 in Davos Schuhe.

Brauner Herrenlederschuh

Chronologie der Schuhwürfe:

  • 14.12.2008: Bagdad, Irak
  • 28.1.2009: Basel, Schweiz (Demonstration gegen das Weltwirtschaftsforum in Davos)
  • 2.2.2009: Camebrige, Großbritannien (Bei einem Vortrag des Chinesischen Premiers)
  • 10.2.2009: Straßburg, Frankreich (Demonstration gegen Bildungspolitik)
  • 30.9.2009: Istanbul, Türkei (Gegen den IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn bei der Herbstkonferenz)

Wer hatte auch schon mal Gelüste, jemanden mit seinen Schuhen zu bewerfen? Ich freue mich auf Ihre Berichte!

Stichworte: Politik, Verlorene Schuhe

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